Hitler - Der Aufstieg des Bösen ein Fazit
Am gestrigem Abend schaltete ich vor langer Langeweile RTl2 ein und merkte schnell, dass diese mal wieder ihr Feiertagsprogramm mit “Hitler - Der Aufstieg des Bösen” gefüllt hatten.
Schon vor der ersten Werbepause (von denen es reichlich gibt) überlegte ich, ob dieser Film mehr Biografie oder mehr Unterhaltung enthält.
Als begeisterter Historik-Amateur fielen mir schon bald erste historische Fehler auf, die allerdings nicht nennenswert sind (Tod des Vaters und Umstände in Wien). Allerdings wurden die Filmfehler im Laufe des Abends immer drastischer, so dass der Film Hitler in eine andere Schublade steckt, als in der Realität.
Folgende Filmfehler fielen mir sofort ins Auge:
- Laut dem Film entwickelt Hitler sein Faschismus und Rassismus während seiner Jahre in Wien, allerdings beweisen Dokumente und Zeitzeugen etwas anderes. Hitlers Judenhass und seine politische Einstellung wurden während seiner Zeit bei der DAP nach Ende des Ersten Weltkrieges hervorgerufen und auch dabei ließ er sich von Politikern leiten und nicht von seiner eigenen Meinung.
Des weiteren war Hitler während seiner Jahre in Wien mit vielen Juden sehr gut befreundet und konnte sie gut leiden. - Hitler sagt im Film, dass nicht einmal die Juden seine Gemälde abkaufen würden (Anmerkung: Hitler fiel bei der Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie durch, weil er keine Menschen zeichnen konnte, aber ein besonderes Talent für Gebäude hatte), allerdings stimmt dies nicht, wie kürzlich aufgetauchte Dokumente beweisen. Gerade die Juden kauften seine Gemälde ab und schätzten sein künstlerischen Können.
- Die Umstände unter denen er das Eiserne Kreuz erhielt sind falsch dargestellt.
- Gerade Hitlers Zeit während des ersten Weltkrieges wird ungenau dargestellt und verheimlicht viele Details, so wurde Hitler in den belgischen Schützengräben am Bein verletzt (nicht wie im Film dargestellt bei einem Gasangriff. Danach wurde Hitler an die Ostfront verlegt (was man im Film ganz ausgelassen hat), an der er nun erst bei einem Gasangriff schwer verwundet wurde.
Soviel erst einmal zum ersten Teil.
Der erste Teil bis hin zu den politischen Anfängen wird vereinfacht dargestellt, man erfährt wenige Details und die Geschichte wird vereinfacht erzählt. Der Zuschauer kann sich noch kein Bild von Hitler machen, da dieser wie ein normaler Mensch wirkt, was gegen das allgemeine Bild der Bestie und des “Führers” spricht.
Der Film behandelte nun Hitlers Zeit nach dem Krieg und zeigt seine politischen Anfänge.
Auch hier werden wieder wichtige Dinge weggelassen und andere besonders hervorgehoben.
Der Zuschauer erfährt nicht, dass Hitler extra an Schulungen und Weiterbildungen teilgenommen ha, um seine Rednerskunst zu proben und auszubilden.
An dem weiterem Verlauf des Films habe ich nichts auszusetzen, die Geschehnisse werden klar geschildert, allerdings dürfte dem eher historisch unerfahrenem Zuschauer die Handlung etwas zu komplex und kompliziert sein.
Am fehlerhaftesten allerdings ist die Darstellung Hitlers. Er wird aggressiv, fanatisch und wild dargestellt. Kann jemand, der so auf seine Partei und auf die Menschen wirkt, die Macht ergreifen? Nein! Nicht einmal in den dunkelsten Epochen der Menschheit wäre dies möglich gewesen.
Unzählige Berichte bestätigen, dass Hitler zu frühen Zeiten ein charmanter, humorvoller und netter junger Mann war, allein dadurch und mit seiner Rednerskunst schaffte er es, 50 Millionen Menschen in den Tod zu treiben.
Weitere Fehler:
- Die Herkunft des Hakenkreuz-Symbols wird falsch dargestellt. Das Buch, aus dem Hitler das Symbol entwendet, handelt von einer Religion, die es zu dieser Zeit noch nicht gab.
- Hindenburg unterstützt auf Druck seiner Berater Hitler (statt wie im Film dargestellt, dass Hindenburg nur wiederwillig die Notverodnung vom 28. Februar 1933, unterzeichnete).
- Der Aufruhr im Reichstag wird klein dargestellt und nach Singen des Deutschlandliedes beendet. In der Realität wurden die politischen Gegner lange gefoltert und in Konzentrationslager gesteckt.
- Ernst Röhm soll nach Bad Wiessee zu einer SS Konferenz fahren, wo er verhaftet wird, allerdings wurde er während eines Vergnügungstages verhaftet.
Gesamtfazit:
Wer etwas über Hitler und die Anfänge vom Ende erfahren will, ist mit diesem Film an der falschen Adresse, da die Handlung stark oberflächlich ist und manche Eigenschaften verharmlost oder ganz ausgelassen wurden.
Hitlers Person wird oft bestialisch und wahnsinnig dargestellt, allerdings ist es Fakt, dass Hitler erst zu späteren Zeiten (nämlich nach Ernennung zum Diktator) diese Charakterzüge annahm.
Trotz allem spielen die Schauspieler ihre Rolle gut und glaubhaft. Jeder mit bisschen Vorwissen kann ohne Probleme die Handlung verstehen und den Film als Unterhaltungsfilm anschauen (wobei sich die Frage stellt, ob man so ein heikles Thema als Unterhaltung darstellen kann).
Meiner Meinung nach kann man den Film aber getrost anschauen, ohne mit große Irrtümer oder Verwirrungen rechnen zu müssen.
März 22, 2008 um 8:38 Uhr nachmittags
Jetzt muss ich nur noch den Film gucken um auch ein vernünftiges Comment zu geben